Unsere Entscheidungen als Reisende beeinflussen nicht nur Menschen und die Umwelt, sondern auch die Tierwelt. Begegnungen mit Tieren können unglaublich bereichernd sein – besonders dann, wenn sie ethisch vertretbar ablaufen. Zum Glück gibt es viele Möglichkeiten, die Natur zu erleben, ohne Tieren zu schaden. Genau darum geht es, wenn du dich für einen nachhaltigen Reisestil entscheidest. Lies weiter und erfahre, welche tierischen Aktivitäten du bedenkenlos genießen kannst und welche du lieber meiden solltest – für unvergessliche und faire Erlebnisse.
Ethisch vs. unethisch: Der Check für Tierbegegnungen
Das Problem
Im Urlaub ist die Stimmung meist bestens, und da fällt es oft schwer, in einer Tierattraktion ein Problem zu sehen – vor allem, wenn man nur niedliche Tricks und tolle Fotomotive wahrnimmt. Was Touristen dabei meist entgeht, ist das, was hinter den Kulissen passiert.
World Animal Protection schätzt, dass jährlich etwa 110 Millionen Menschen unethische Tierattraktionen besuchen, ohne sich des Leids der Tiere bewusst zu sein. Oft liegt das Problem darin, wie Tiere gefügig gemacht oder auf unsere Unterhaltung vorbereitet werden. Ethische Bedenken entstehen immer dann, wenn die Grundbedürfnisse der Tiere ignoriert werden, während Touristen für diese Erlebnisse bezahlen. Solange wir diese Angebote nutzen, haben die Betreiber solcher Industrien keinen Grund, ihr ausbeuterisches Geschäftsmodell zu ändern.
Die Kategorien
Das wirft die Frage auf: Woran erkennt man den Unterschied? Lässt sich ethischer von unethischem Wildtier-Tourismus überhaupt unterscheiden oder gar messen? In der ersten großen Studie zum weltweiten Wildtier-Tourismus haben Forscher der Wildlife Conservation Research Unit der Universität Oxford Attraktionen mit Wildtieren in fünf Gruppen unterteilt:
Interaktionen mit Tieren in Gefangenschaft
Schutzstationen (Sanctuaries)
Wildtierfarmen
Straßenvorführungen
Begegnungen mit Tieren in freier Wildbahn
Die verschiedenen Attraktionen wurden sowohl hinsichtlich des Tierwohls als auch des Naturschutzes bewertet. Dabei spielten Faktoren eine Rolle, die vom physischen Wohlbefinden der Tiere bis hin zur Frage reichen, ob die Einnahmen aus der Aktivität tatsächlich dem Erhalt der Art zugutekommen. Anhand dieser Bewertungen kannst du als bewusster Reisender analysieren, ob eine Tieraktivität vertretbar ist – sowohl im Hinblick auf den heutigen Umgang mit den Tieren als auch auf die Maßnahmen, die für ihre Zukunft getroffen werden.
Die Lösungen
Die UNWTO schätzt, dass 7 % des weltweiten Tourismus auf Wildtier-Tourismus entfallen, mit einem jährlichen Wachstum von etwa 3 %. Wir Reisenden spielen eine entscheidende Rolle dabei, den Kreislauf der Grausamkeit in dieser Branche zu durchbrechen. Am besten fängst du damit an, dich bei Experten zu informieren, die ihr Leben dem Tierschutz widmen – besonders dem Schutz bedrohter Arten. Neben den allgemeinen Dos and Don’ts kannst du auf Seiten wie World Animal Protection oder bei der Global Federation of Animal Sanctuaries (GFAS) recherchieren, um schwarze Schafe unter den Naturschutzprojekten von echten Tierschutzpraktiken zu unterscheiden.
Teile dein Wissen unterwegs und stell kritische Fragen, wenn du Orte besuchst, die Tieraktivitäten anbieten. Den Kampf gegen Tierquälerei musst du nicht alleine führen. Mit Unterstützung seriöser Organisationen kann jeder seinen Teil dazu beitragen, inhumane Praktiken zu beenden. Es geht nicht darum, Menschen für Dinge zu verurteilen, die früher als harmlos galten. Vielmehr geht es darum, aufzuklären und eine bessere Zukunft für alle zu schaffen – eine Welt, in der Tiere nicht als Sportobjekte dienen, sondern für ihren einzigartigen Beitrag zu unserem Planeten geschätzt werden.
Die Richtlinien
Die ABTA Animal Welfare Guidelines zu grundlegenden Tierschutzanforderungen und inakzeptablen Praktiken wurden unter Mitwirkung zahlreicher Experten aus NGOs, Wissenschaft und Industrie – darunter ausgewiesene Tierschutz-Profis – entwickelt. Sie vereinen bewährte Standards mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Unethische Aktivitäten mit Tieren nicht zu unterstützen, bedeutet auch, einen großen Bogen um Anbieter zu machen, die solche Praktiken bewusst bewerben. Passend dazu hat der World Travel & Tourism Council (WTTC) wichtige Leitlinien veröffentlicht, die Reiseveranstalter, Agenturen und Unterkünfte dazu aufrufen, sich an den Prinzipien der ABTA-Richtlinien zu orientieren.
So erkennst du unethische Tier-Attraktionen
Wenn du dir unsicher bist, wofür eine Einrichtung steht, helfen dir diese Fragen dabei, der Wahrheit auf den Grund zu gehen:
Wird die Sichtung bestimmter Wildtiere garantiert? Naturfans wissen: Wildtiere sind unberechenbar. Auch wenn manche Orte eine höhere Wahrscheinlichkeit bieten, ein bestimmtes Tier zu sehen, gibt es in der freien Natur nie eine Garantie.
Kann dir das Personal Fragen dazu beantworten, woher die Tiere stammen, warum sie dort sind und was mit ihnen in Zukunft geplant ist? Wenn sie dir diese Infos verweigern, ist das meist ein Warnsignal.
Als Faustregel gilt: Attraktionen und Aktivitäten, die Folgendes erlauben, sind nicht ethisch vertretbar:
Halten
Füttern
Berühren
Schwimmen mit Tieren
Reiten
Selfies mit Tieren
Anlocken mit Ködern
Die Southern Africa Tourism Services Association (SATSA) setzt hohe Maßstäbe für die Tourismusbranche. Ihr Ziel ist es, dabei zu helfen, ethische Tierbegegnungen zu bewerten und auszuwählen – besonders mit Blick auf die speziellen Gegebenheiten im südlichen Afrika. Im Rahmen einer umfassenden Studie zu Tierinteraktionen wurde ein Leitfaden samt Tool entwickelt. Das Herzstück ist ein benutzerfreundlicher „Entscheidungsbaum“, mit dem Tourismusverbände, Veranstalter und Reisende Tierattraktionen prüfen können. Wenn du eine fundierte Entscheidung treffen und nur verantwortungsvolle Praktiken unterstützen möchtest, kannst du diesen Entscheidungsbaum nutzen. Anhand von sechs Fragen kannst du durch ein Ausschlussverfahren schnell feststellen, welche Attraktionen du besuchen kannst und welche du lieber meidest.
SATSA Entscheidungsbaum für Wildtier-Attraktionen und -Aktivitäten
Warum ist ethischer Tiertourismus so wichtig?
In erster Linie geht es um deine Sicherheit: Gut geführter Wildtier-Tourismus ist essenziell, damit du sicher unterwegs bist. Wähle daher Anbieter, die den Schutz ihrer Gäste großschreiben. Große und gefährliche Tiere können dir potenziell schaden – besonders, wenn sie sich durch dich oder andere bedrängt oder in die Enge getrieben fühlen.
Wenn Tourismus richtig angegangen wird, profitieren Wildtiere davon, da er Naturschutzprojekte finanziell unterstützt. Ein Beispiel: SANParks in Afrika ist eine sich selbst finanzierende öffentliche Einrichtung, die Südafrikas Nationalparks verwaltet. Rund 80 % der Betriebskosten werden durch Ökotourismus gedeckt.
Die UNWTO hebt zahlreiche Vorteile des Wildtierschutzes hervor: Er fördert die Artenvielfalt, stärkt lokale Wirtschaften in Afrika und schenkt uns bereichernde, psychologisch wertvolle Begegnungen mit der Tierwelt. Gleichzeitig können Menschen weltweit über Wildtiere und ihre unverzichtbare Rolle im Ökosystem aufgeklärt werden – damit allen klar ist, warum ihr Fortbestand so wichtig ist.
Beispiele für tierfreundliche Wildtier-Aktivitäten
An Land: Auf Safari gehen
Eine afrikanische Safari bietet dir verschiedene Möglichkeiten für verantwortungsbewussten Tiertourismus. Bei einer Buschwanderung entdeckst du auch die kleinen, oft übersehenen Details der Natur. Oder du begibst dich mit einem 4x4-Safari-Fahrzeug und einem Team aus Guide, Ranger und Fährtenleser auf einen Game Drive, um die Big 5 und andere seltene Arten aufzuspüren. Bei nächtlichen Fahrten mit Scheinwerfern kannst du nachtaktive Tiere beobachten. Viele Safari-Lodges bieten zudem Entspannung pur auf der Veranda mit Blick auf Wasserlöcher, an denen sich die Tiere versammeln. In vielen Nationalparks und Reservaten kannst du auch mit dem eigenen Auto auf vorgegebenen Routen in deinem eigenen Tempo auf Entdeckungstour gehen.
Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Wenn du genau danach suchst, kannst du dich im rauen Damaraland in Namibia zu Fuß auf die Spuren von Spitzmaulnashörnern begeben. Laut dem World Wildlife Fund (WWF) beherbergt Namibia die größte Population frei lebender Spitzmaulnashörner in Afrika – nur eine von vielen namibischen Erfolgsgeschichten im Naturschutz.
Wie wäre es mit einem Besuch in einer Auffangstation? In Südafrika bieten die Shamwari Big Cat Rescue Centres, die von Born Free und dem Shamwari Game Reserve betrieben werden, zwei Schutzgebiete. Dort finden gerettete Löwen und Leoparden aus Gefangenschaft ein dauerhaftes Zuhause. Ein Bildungszentrum ermöglicht es Kindern und Besuchern zudem, mehr über den Schutz bedrohter Arten zu lernen.
Auf dem Meer: Marine Abenteuer
Die Meereswelt eröffnet dir eine ganz neue Welt voller Abenteuer! Lerne, was es bedeutet, unsere Ozeane zu schützen, und entdecke die Unterwasserwelt beim Schnorcheln, Tauchen, Freitauchen oder bei anderen nachhaltigen Aktivitäten.
Für ein beeindruckendes Erlebnis, bei dem die Natur unberührt bleibt, kannst du dich auf die Walbeobachtung entlang der südafrikanischen Whale Route begeben. Mit etwas Glück erlebst du den spektakulären Anblick, wie eine Gruppe Südkaper aus dem Wasser bricht. Südafrika verfügt über ein Netzwerk von 41 Meeresschutzgebieten entlang der Küste, die 87 % der marinen Umwelt bewahren. Wenn du unterwegs bist, solltest du Lebewesen wie Seesterne, Korallen oder Seegurken nicht berühren – sie sind sehr empfindlich und nehmen schnell Schaden.
Besuche die Pinguine am Boulders Beach bei Kapstadt, um die afrikanischen Pinguine in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten. Boulders Beach ist eines der wenigen Zuhause für diese gefährdete Art. Holzstege führen dich entlang der Küste, sodass du die Tiere aus nächster Nähe sehen kannst, ohne sie zu stören. Zudem gibt es einen ausgewiesenen Bereich zur Beobachtung.
Ein paar Tipps für deine Begegnungen mit Wildtieren:
Halte Abstand und versuche nicht, die Tiere zu berühren.
Füttere die Tiere nicht und wirf nichts nach ihnen.
Schalte den Blitz deiner Kamera aus.
Vermeide laute Geräusche, die die Tiere stören könnten.
Wähle kleinere Gruppen für deine Ausflüge – das ist persönlicher und für die Tiere deutlich stressfreier.
Bist du bereit, nachhaltiger zu reisen und ethisch vertretbare Tierbeobachtungen zu unterstützen? Ein wichtiger Teil von Viatu’s Responsible Traveller Pledge ist es, unseren ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten – unter anderem, indem wir unethischen Tiertourismus konsequent meiden. Bei unseren Reisen geht es nicht um Verbote, sondern darum, dass du Aktivitäten genießt, die dich begeistern und gleichzeitig sicher für die Tiere sind.
Wir bei Viatu setzen auf authentische Erlebnisse, die unvergesslich und ethisch korrekt sind. Buche noch heute deine tierfreundliche Reise mit Viatu.