Language

Warum ist Südafrika ein nachhaltiges Reiseziel?

Bárbara Büchel
von Bárbara Büchel
Veröffentlicht am 21. Dezember 2021
9 Minuten Lesezeit

Es ist ein Klischee, den südafrikanischen Tourismus nur auf die Big Five zu reduzieren. Südafrika ist das Gesamtpaket – warum also die aufregende Mischung aus einzigartigen Kulturen, Geschichte und Natur verpassen? Das Land bietet für jeden etwas, egal ob dramatische Küstenlinien oder verlockende Weingüter – Südafrika hat einfach alles.

Angesichts der vielfältigen und lebendigen Auswahl an Reisemöglichkeiten wird ein nachhaltiger Tourismus immer wichtiger. Südafrika setzt auf Inklusion und gezielten Wandel durch nachhaltige Praktiken. Diese Ansätze zielen darauf ab, bestehende Lücken im Umgang mit den sozioökonomischen, kulturellen und ökologischen Auswirkungen des Tourismus zu schließen.

Wirkung messen: Südafrikas Nachhaltigkeit nach GSTC-Standards

Viatu nutzt die Richtlinien des Global Sustainable Tourism Council (GSTC), um die Nachhaltigkeit eines Reiseziels zu bewerten. Die GSTC-Kriterien helfen dabei, Nachhaltigkeit kritisch zu hinterfragen, indem sie das nachhaltige Management, die sozioökonomische, kulturelle und ökologische Nachhaltigkeit unter die Lupe nehmen. Zusammen liefern diese Indikatoren ein umfassendes Bild der Nachhaltigkeit einer Destination.

Durch unsere detaillierte Anwendung der 171 GSTC-Indikatoren für nachhaltige Reiseziele erreicht Südafrika einen Wert von 88 %. Wie unten gezeigt, schneidet Südafrika in allen vier Nachhaltigkeitsthemen stark ab:

  • Nachhaltiges Management: 86 %

  • Sozioökonomische Nachhaltigkeit: 94 %

  • Kulturelle Nachhaltigkeit: 92 %

  • Ökologische Nachhaltigkeit: 84 %

Schauen wir uns genauer an, wie sich Südafrika zu einem wichtigen Akteur im nachhaltigen Tourismus in Afrika entwickelt.

Nachhaltiges Management

Südafrika bezeichnet seinen Ansatz im Tourismus als „Responsible Tourism“. Dabei geht es darum, eine Branche zu schaffen, die negative kulturelle, soziale und ökologische Auswirkungen minimiert und gleichzeitig eine inklusive sozioökonomische Entwicklung fördert. Bereits 1996 war Südafrika das erste Land, das verantwortungsvollen Tourismus in seinem nationalen Politikrahmen verankerte. Diese Strategie revolutionierte die Branche und diente als Vorlage für die Global Responsible Tourism Awards – wenn das mal kein Impact ist!

Verantwortungsvoller Tourismus ist ein zentraler Bestandteil des südafrikanischen Reiseerlebnisses. Das Land lebt die Philosophie, „bessere Orte zum Leben und bessere Orte zum Besuchen“ zu schaffen. Die Umsetzung als zentrale Managementstrategie soll Qualität und Langlebigkeit für den Tourismus und die lokale Bevölkerung in Südafrika sichern.

Video thumbnail

Neben dem verantwortungsvollen Tourismus gehört Südafrika zu den Vorreitern, die Fair-Trade-Prinzipien und Zertifizierungen in ihre Tourismusprodukte integrieren. Die Organisation Fair Trade Tourism im südlichen Afrika fördert faire Löhne und Arbeitsbedingungen sowie eine gerechte Verteilung der Vorteile aus dem Tourismus an die Gemeinden und die Umwelt.

In Südafrika gibt es zahlreiche Auszeichnungen, die Exzellenz und Wirkung würdigen. Diese Preise fördern einen gesunden Wettbewerb und Innovationen in der Branche. Zu den bekanntesten zählen die Lilizela Awards und der Africa’s Responsible Tourism Award. Die prestigeträchtigen Lilizela Awards werden von South African Tourism organisiert und zeichnen Akteure aus, die hochwertige Produkte und Services bieten. Der Africa’s Responsible Tourism Award wird vom ICRT South Africa mit Unterstützung der World Travel Market Africa vergeben. Dieser regionale Preis feiert und belohnt die wichtigsten Akteure, die den afrikanischen Kontinent als erstklassiges Reiseziel etablieren.

Meeting eines afrikanischen Business-Teams
Safari-Ranger in Südafrika

Verantwortungsvoller Tourismus funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen und die Menschen vor Ort bei Entscheidungen mit am Tisch sitzen. Die Einbindung und Stärkung der lokalen Gemeinschaften sind das A und O. Südafrika veranstaltet jedes Jahr zum Welttourismustag Konferenzen und Workshops. Hier kommen alle wichtigen Akteure zusammen – von Geldgebern und Regierungsvertretern bis hin zu NGOs und der Privatwirtschaft –, um über Themen wie nachhaltiges Management, Energieeffizienz, ökologische Standards und die Entwicklung lokaler Communities zu sprechen.

Auch die National Tourism Sector Strategy 2016 - 2026 betont, wie wichtig starke Partnerschaften für einen verantwortungsvollen Tourismus sind. Die Strategie gibt klare Leitlinien, Standards und Regeln vor, um die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure zu koordinieren und den Fortschritt in der südafrikanischen Tourismusbranche messbar zu machen. So können alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang ziehen, um nachhaltiges Reisen zur Realität zu machen.

Kapstadts Innenstadt bei Nacht

Auf nationaler Ebene kümmert sich das Department of Tourism darum, den Tourismus inklusiv und nachhaltig zu gestalten. Das Ministerium hat strategische Pläne entwickelt, um Südafrika als nachhaltiges Reiseziel zu positionieren. In enger Zusammenarbeit mit dem South African Tourism Board und den neun Tourismusverbänden der Provinzen werden Möglichkeiten für den Inlandstourismus voll ausgeschöpft. Gemeinsam forschen sie, setzen nationale Richtlinien um und bauen wertvolles Wissen über die Entwicklung der Branche auf. Dieses Know-how wird an die Privatwirtschaft weitergegeben, um Investitionen, Innovationen und die sozioökonomische Entwicklung anzukurbeln.

Sozioökonomische Nachhaltigkeit

Der Tourismus sichert in Südafrika schätzungsweise 4,5 % aller Arbeitsplätze. Die Branche ist eine tragende Säule der südafrikanischen Wirtschaft: Sie schafft Jobs, generiert Steuereinnahmen, stärkt das verfügbare Einkommen, fördert den Infrastrukturausbau und sorgt für soziale Teilhabe. Der Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit macht die Branche wettbewerbsfähiger und profitabler. Da der wirtschaftliche Fokus immer stärker auf Nachhaltigkeit liegt, setzt Südafrika auf den Tourismus als treibende Kraft für eine zukunftsweisende Entwicklung.

Bunte Boote im Hafen von Kalk Bay, Kapstadt

Südafrika kämpft historisch bedingt mit Arbeitslosigkeit, Einkommensungleichheit und Armut. Doch der Tourismus ist eine Branche mit enormer Reichweite, die genau hier ansetzen kann: Sie bietet die Chance, benachteiligte Gemeinschaften zu fördern und ihre soziale Mobilität zu verbessern. Da der Sektor so vielfältig ist, finden Menschen mit unterschiedlichsten Qualifikationen hier einen Platz. Ein gutes Beispiel ist die SATSA (Southern African Tourism Services Association). Dieser Verband setzt sich für Qualität im Tourismus ein und bietet gezielte Trainings- und Inkubationsprogramme an. So erhalten Akteure der Branche das nötige Know-how, um die Vorteile des Tourismus für alle greifbarer zu machen. Der bessere Zugang zu solchen Weiterbildungen ist ein entscheidender Hebel für die Entwicklung von Humankapital. Letztlich zahlt sich diese Investition in die Fähigkeiten der Menschen direkt in Form von positiven sozioökonomischen Effekten aus.

Afrikanischer Farmer auf seinem Feld
Ein farbenfrohes Schild in Südafrika
Gemüsestand auf einem Markt in Kapstadt
Afrikanische Frau beim Einkaufen

Südafrika hat einen Leitfaden für verantwortungsvollen Tourismus veröffentlicht, der den Weg zu einem nachhaltigen Tourismus im großen Stil aufzeigt. Das Dokument beschreibt die wirtschaftliche Verantwortung der Branche und wie Südafrika die Vorteile des Tourismus durch Diversifizierung breiter streuen will. Das Ziel: Mehr Einheimische sollen am lokalen und regionalen Tourismus teilhaben können. Diese Vielfalt ist zudem ein wichtiger Faktor, um die Wirtschaft widerstandsfähiger gegen Krisen zu machen. Wenn lokale Gemeinschaften stärker eingebunden werden, kurbelt das nicht nur die Beschäftigung an, sondern sorgt für nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum im ganzen Land.

Kulturelle Nachhaltigkeit

Die „Regenbogennation“ ist mehr als nur ein Begriff – sie ist ein Sinnbild für die enorme Vielfalt an Menschen und Kulturen in Südafrika. Das Land ist eine pluralistische Gesellschaft, die sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher kultureller Identitäten in den verschiedenen Regionen zusammensetzt. Die Südafrikaner sind zu Recht stolz auf ihr reiches Erbe, denn ihre Kultur ist ein zentraler Teil ihrer Identität. Südafrika beherbergt nicht nur eine beeindruckende kulturelle Vielfalt, sondern auch fünf UNESCO-Welterbestätten. Der Schutz dieser Kulturen ist sogar verfassungsrechtlich in der Bill of Rights verankert. Die Verfassung verbietet jede Form von Diskriminierung oder Ausbeutung. Dieser hohe Stellenwert spiegelt sich auch im Kulturtourismus wider: Er muss sich an den verfassungsrechtlichen Vorgaben orientieren, die Freiheit und Gleichberechtigung in der multikulturellen Landschaft Südafrikas fördern.

Zulu-Tänzer am Strand

Der Kulturtourismus in Südafrika gibt den Menschen vor Ort die Möglichkeit, ihr Erbe frei zu teilen und zu feiern – sei es durch Geschichten, Kulinarik, Tanz, Kunsthandwerk oder Musik. Tourismus schafft hier eine nachhaltige Einnahmequelle, um diese Vielfalt an Kulturen zu bewahren, zu präsentieren und zu dokumentieren. Auch die nationalen Richtlinien für verantwortungsvollen Tourismus haben die Integration des Kulturtourismus in die südafrikanische Tourismuslandschaft ganz oben auf die Agenda gesetzt.

Traditionelle afrikanische Puppen in Kapstadt
Südafrikanisches Biltong

Ökologische Nachhaltigkeit

Historisch gesehen hat die Tourismusbranche in Südafrika die Umwelt stark belastet, da sie enorme Mengen an Wasser, Energie und Lebensmitteln verbrauchte. Angesichts der aktuellen Verpflichtungen im Rahmen der COP26 und der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung hat sich das Land dazu bekannt, grüne Praktiken im Tourismussektor umzusetzen. Ziel ist es, die Energieeffizienz zu steigern, Wasser zu sparen und Abfall zu reduzieren. Südafrika ist sich bewusst, dass seine natürlichen Ressourcen unverzichtbar sind – sie spielen eine entscheidende Rolle für den Erhalt der Artenvielfalt und die Entwicklung ländlicher Gemeinden.

Drakensberge und Golden Gate Nationalpark in Südafrika

Südafrika ist ein Paradies für unberührte Natur und Schutzgebiete. Laut offiziellen Statistiken stehen rund 9,2 % der gesamten Landesfläche unter Naturschutz. Diese Gebiete wurden eingerichtet, um die ökologische Vielfalt in Nationalparks, Wildschutzgebieten und Naturreservaten zu bewahren. Allein die Nationalparks machen 37,4 % dieser Schutzflächen aus und spielen eine entscheidende Rolle beim Erhalt von vier wichtigen Biomen: Wüste, Nama-Karoo, Savanne und Sukkulenten-Karoo. Zudem beherbergt das Land vier wertvolle UNESCO-Welterbestätten. Südafrika ist stolz auf seine Naturschätze, die für die gesamte Menschheit von unschätzbarem Wert sind – deshalb nimmt das Land den Umweltschutz so ernst.

Kirstenbosch National Botanical Garden in Kapstadt, Südafrika
Zebras im Kruger Nationalpark
Pinguin in Südafrika
The Three Rondavels

Die südafrikanische Meereswelt bietet spektakuläre Anblicke, wie etwa die artenreichen Kelpwälder und die geheimnisvollen Tiefseeböden. Um diese wertvollen marinen Ökosysteme nachhaltig zu bewahren, hat Südafrika entlang seiner Küste ein Netzwerk aus Marine Protected Areas (MPAs) geschaffen. Aktuell gibt es 41 dieser Schutzgebiete, die 5,4 % der südafrikanischen Ozeane abdecken. Jedes MPA ist individuell darauf ausgelegt, einen bestimmten Lebensraum zu schützen. Ziel dieses Netzwerks ist es, die ozeanischen Ressourcen zu sichern, die Artenvielfalt zu fördern, die Klimaresilienz zu stärken sowie Ernährungssicherheit und wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben.

Video thumbnail

Der Schutz und das Management der südafrikanischen Nationalparks und Schutzgebiete liegen in den Händen verschiedener Umweltbehörden, darunter South African National Parks, KZNWildlife und CapeNature. Diese Organisationen spielen eine entscheidende Rolle dabei, verantwortungsvollen Tourismus in ökologisch sensiblen Regionen zu fördern. Sie sind ein wesentlicher Pfeiler bei der Wiederherstellung und dem Schutz ökologischer Systeme, indem sie integrierte Managementansätze verfolgen. Dabei steht der Aufbau konstruktiver Beziehungen zu den umliegenden ländlichen Gemeinden im Mittelpunkt. Die enge Zusammenarbeit zwischen diesen Behörden und der lokalen Bevölkerung ist ein Schlüsselfaktor, der Südafrika dabei hilft, seine Vorreiterrolle in Sachen ökologischer Nachhaltigkeit weiter auszubauen.

Tourismus-Statistiken

  • Im Jahr 2019 kamen lediglich 8 Touristen auf einen Quadratkilometer.

  • Die gesamte Fläche der geschützten Gebiete in Südafrika ist größer als Dänemark.

  • Zwischen 2015 und 2020 wuchs die Fläche der südafrikanischen Schutzgebiete um 11 % auf insgesamt 14,2 % an.

  • Laut dem Good Country Index belegt Südafrika weltweit den 14. Platz für seinen Beitrag zu internationalem Frieden und Sicherheit.

  • Südafrika umfasst zwar nur 2 % der weltweiten Landfläche, beherbergt jedoch 10 % aller Pflanzenarten und 15 % aller marinen Arten weltweit.

  • Im Sustainable Development Goals Index für die afrikanische Region rangiert Südafrika auf Platz 9.

Südafrika hat das Potenzial, sich fest als Ziel für nachhaltigen Tourismus zu etablieren. Zwar gibt es im Tourismussektor noch Herausforderungen auf dem Weg zu einer vollständigen Nachhaltigkeit, doch das Land beweist Widerstandskraft und ein starkes Engagement, um nachhaltige Reiseabenteuer zu bieten und eine bessere Zukunft zu gestalten. Wenn du wissen möchtest, wie Viatu seine nachhaltigen Reiseziele auswählt, lies unseren vollständigen Artikel hier.

Du möchtest die Nachhaltigkeits-Vorteile Südafrikas selbst entdecken? Besuche Viatu und plane deinen nachhaltigen Trip.