Naturschutz und Umweltschutz sind fest in der namibischen Verfassung verankert. Als eines der ersten Länder weltweit und als Vorreiter in Afrika nimmt Namibia stolz den Spitzenplatz als führende Erfolgsgeschichte im afrikanischen Naturschutz ein. Der Status des Landes als Zufluchtsort für Wildtiere ist seinen ganzheitlichen und integrativen Methoden zu verdanken. Neben den 11 Nationalparks, die den Tieren Schutz bieten, gibt es zahlreiche private Reservate und Community Conservancies.

Namibias Erfolgsgeschichte im Naturschutz: Ein Überblick



Nach der Unabhängigkeit im Jahr 1990 verabschiedete Namibia ein wegweisendes Gesetz, das die Eigentumsrechte an natürlichen Ressourcen und deren Erträge in die Hände der lokalen Gemeinschaften legte. Diese erhielten damit das Recht, eigene Schutzgebiete zu gründen. Das Ergebnis ist beeindruckend: Namibia setzt beim Schutz bedrohter Arten nicht nur auf klassische Nationalparks, sondern bindet die Menschen vor Ort direkt ein und macht sie zu Hütern der Tierwelt.
Mit Unterstützung des World Wildlife Fund (WWF) stellt Namibia sicher, dass die Einnahmen aus dem Wildtier-Tourismus, technischer Ausbildung und neuen Arbeitsplätzen gerecht an die lokalen und indigenen Gemeinschaften verteilt werden. Das stärkt die Menschen vor Ort und fördert Projekte wie Anti-Wilderei-Initiativen, Gesundheitsversorgung und Umweltbildung, die einen echten Anreiz bieten, sich aktiv für den Naturschutz einzusetzen.
Das Konzept ist so erfolgreich, dass die 86 registrierten, gemeinschaftlich geführten Schutzgebiete mittlerweile mehr als 20 % der Landfläche Namibias abdecken. Insgesamt stehen damit 42 % des gesamten Staatsgebiets unter irgendeiner Form von Naturschutzmanagement.
In dieser Folge von „Explained“ stellen wir dir einige der Tierarten vor, deren Erhalt maßgeblich durch Nationalparks und Community-Projekte gesichert wurde – und verraten dir, wo du die besten Chancen hast, sie in freier Wildbahn zu sehen!

Karte der namibischen Nationalparks von 1990 im Vergleich zur Ausdehnung von Nationalparks, Schutzgebieten und privaten Reservaten im Jahr 2017
Geparden
Namibia beheimatet etwa ein Viertel der weltweiten Gepardenpopulation, wobei die meisten Tiere in privaten Schutzgebieten leben. Diese flinken Jäger fühlen sich auf Namibias weiten, kargen Ebenen pudelwohl. In den letzten 20 Jahren haben Naturschutzorganisationen auf öffentlichem und privatem Land konsequente Rehabilitations- sowie Auswilderungsprogramme gestartet. Sie päppeln verletzte oder verwaiste Geparden auf und geben sie zurück in die Freiheit – ein wichtiger Beitrag, um die einst stark dezimierte Population wieder aufzubauen. Die besten Chancen, Geparden zu entdecken, hast du im Okonjima Nature Reserve oder auf dem Waterberg-Plateau im Waterberg National Park im Norden Namibias. Auch ein Besuch beim berühmten Cheetah Conservation Fund in der Nähe lohnt sich.

Elefanten
Namibias wüstenangepasste Elefanten sind eine gefährdete Unterart. Aufgrund von Wilderei, Lebensraumverlust und Konflikten zwischen Mensch und Tier gibt es im südlichen Kunene und nördlichen Erongo nur noch 62 frei lebende Exemplare. Diese Elefanten sind schlanker, höher gewachsen und haben größere Füße als andere Afrikanische Elefanten – sie müssen schließlich bis zu 200 km durch tiefen Sand wandern, um Wasser zu finden. Sie sind ein wichtiger Teil von Namibias biologischer Vielfalt und unverzichtbar für die Wirtschaft.
Mit etwas Glück triffst du auf diese sanften Riesen, wenn sie in ausgetrockneten Flussbetten graben oder plötzlich an den nebligen Stränden der Skeleton Coast auftauchen.
Dank erfolgreichem Parkmanagement leben heute 23.000 Elefanten im Etosha National Park. Der beste Ort, um die wüstenangepassten Elefanten zu beobachten, ist dieser riesige, 22.000 Quadratkilometer große Park. Das Netz aus permanenten Wasserlöchern zieht ganze Herden aus den trockenen Randgebieten des Parks an. Deine besten Chancen auf eine Begegnung mit den mächtigen Dickhäutern hast du am festen Wasserloch nahe des Okaukuejo Rest Camps.

Löwen
Namibias seltene, an die Wüste angepasste Löwen sind erstaunlich anpassungsfähig. Heute durchstreifen sie die Berge, Küstenregionen und die oft ausgetrockneten Flussbetten zwischen dem Kunene und dem unteren Kuiseb in der Kunene-Region. Ihr Lebensraum reicht weit über geschützte Gebiete hinaus, und die lokalen Gemeinschaften leben seit Jahrzehnten mit diesen Tieren zusammen. Früher kam es immer wieder zu Konflikten, wenn die Raubtiere Vieh rissen, was oft in Vergeltungsmaßnahmen gegen die Löwen endete. In den letzten Jahren konnte das Kunene Lion Project diese Spannungen jedoch erfolgreich abbauen: Durch Einnahmen aus dem Tourismus haben die Gemeinden nun einen direkten Anreiz, die Löwen zu schützen, statt sie zu jagen.
Am besten lassen sich diese Löwen an den Wasserlöchern im Etosha-Nationalpark beobachten.

Spitzmaulnashorn
Vor fast 30 Jahren standen Spitzmaulnashörner in der Kunene-Region Namibias kurz vor dem Aussterben. Heute beherbergt das Gebiet die weltweit größte Population frei lebender Spitzmaulnashörner! Das Besondere daran: Es sind die einzigen Nashörner weltweit, die auf Gemeindeland leben, das nicht unter formellem Schutz steht. Da die Einnahmen aus dem Nashorn-Tourismus direkt mit der lokalen Bevölkerung geteilt werden, konnten Konflikte zwischen Mensch und Tier sowie Wilderei deutlich reduziert werden. Viele Einheimische sind zudem als Mitglieder der Anti-Wilderei-Einheiten tätig.
Wenn du diese an die Wüste angepassten Nashörner sehen möchtest, sind die Palmwag Lodge und das Serra Cafema Camp deine besten Anlaufstellen. Beide bieten geführte Wanderungen und Safaris an, die von Locals geleitet werden und die Natur kaum belasten.

Gemsbock
Der elegante und weit verbreitete Gemsbock mit seinen markanten Hörnern und dem charakteristischen Fell ist das Nationaltier Namibias. Die Tiere sind perfekt an die raue Wüstenlandschaft angepasst. Während des namibischen Unabhängigkeitskrieges (1966–1988) und durch schwere Dürreperioden in den 70er und 80er Jahren war ihr Bestand drastisch eingebrochen. Inzwischen haben sie sich erholt und die Population umfasst wieder rund 200.000 Tiere. Du kannst sie fast überall entdecken – ob am Straßenrand oder in Nationalparks, wobei die meisten auf privatem Gemeindeland leben.
Das wohl beste Motiv für deinen Instagram-Feed ist ein Foto von einem dieser Tiere vor einer riesigen roten Düne in Sossusvlei im Namib-Naukluft-Nationalpark.

Afrikanischer Wildhund
Mit ihrem gefleckten Fell und den riesigen Ohren sind Afrikanische Wildhunde Namibias am stärksten gefährdete Säugetierart. Da sie Reviere von bis zu 3.000 km² beanspruchen, brauchen diese Tiere jede Menge Platz. Durch den Verlust ihres Lebensraums und die Ausbreitung menschlicher Siedlungen geraten die Rudel oft mit den Viehbeständen der Herero-Hirten in Konflikt, was leider häufig zu ihrem Tod führt. Heute überleben nur noch 300 bis 600 Wildhunde, allesamt im abgelegenen Nordosten des Landes. Nur 5 % ihres gesamten Verbreitungsgebiets stehen unter Schutz.
Sowohl NGOs als auch staatliche Naturschutzinitiativen setzen sich für den Schutz der Wildhunde ein, die außerhalb der geschützten Parks auf Dorfbewohner treffen könnten. Dank dieser Aufklärungsprogramme entwickeln sich kommunale Schutzgebiete in den Regionen Omaheke und Otjozondjupa an der Grenze zu Botswana – sowie der entlegene Khaudom National Park – zu den letzten Rückzugsorten für den Afrikanischen Wildhund.

Kurz und knapp:
Namibias Schutzgebiete erwirtschaften jährlich rund 4,8 Millionen Dollar
In der Mehrheit der Schutzgebiete sind 80 % oder mehr der historisch dort heimischen Arten wieder anzutreffen
Die anhaltende Dürre (die Niederschlagsmenge 2019 war die niedrigste seit 1891) ist aktuell die größte Bedrohung für die Tierbestände in Namibia




Namibia geht voran – für den Rest Afrikas und die ganze Welt – wenn es darum geht, nachhaltig zu handeln. Als Vorreiter im Naturschutz schafft es das Land, Armut zu bekämpfen, Arbeitsplätze zu sichern und gleichzeitig die Tierwelt zu schützen. Wenn du den Tourismus in Namibia unterstützt, hilfst du direkt den Menschen und der Natur vor Ort. Warum also nicht deinen nächsten Urlaub bei Viatu buchen? Besuche den afrikanischen Spitzenreiter im Naturschutz und leiste einen Beitrag zum Wohl der Menschen und der einzigartigen Tierwelt Namibias.
