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Klimawandel im Fokus: Was der 6. Sachstandsbericht des IPCC für uns Reisende bedeutet

Jessica Tyrrell
von Jessica Tyrrell
Veröffentlicht am 20. August 2021
5 Minuten Lesezeit

„Es gibt keine ‚Vielleicht‘ mehr. Die Bedrohung durch den Klimawandel ist real; die Gefahren sind unmittelbar und die Zukunft ist katastrophal.“

Wer in der letzten Woche auch nur kurz Nachrichten gecheckt oder das Haus verlassen hat, dürfte den Aufruhr in Wissenschaft, Umweltverbänden und der Gesellschaft mitbekommen haben. Auslöser ist ein wegweisender Bericht des Weltklimarats (IPCC). Und als wäre dieser Name nicht schon kompliziert genug, lassen einen die Ergebnisse dieses Berichts erst recht sprachlos zurück. Aber wer genau ist eigentlich dieser IPCC und warum sollten wir – als Reisende und Tourismus-Anbieter – uns für deren Erkenntnisse interessieren? Die Antwort ist leider eindeutig: Es gibt verdammt viele Gründe, und wir sind es uns und unserem Planeten schuldig, genau hinzuhören.

Am 9. August veröffentlichte der IPCC – die UN-Organisation für Klimaforschung – seinen 6. Sachstandsbericht zum Zustand des Weltklimas. Er fasst über 14.000 Forschungsarbeiten zusammen, die 234 internationale Wissenschaftler über acht Jahre hinweg analysiert haben. Es ist die aktuellste Zusammenfassung zur Klimawissenschaft, ihren Auswirkungen und den Möglichkeiten, wie wir uns anpassen und (hoffentlich) gegensteuern können. Der Bericht richtet sich an Regierungen und politische Entscheidungsträger, um fundierte Entscheidungen zum globalen Klimawandel zu treffen (auch wenn deren Version des Berichts deutlich länger und extrem detailliert ist). In Kombination mit aktuellen Extremwetterereignissen wie den Waldbränden in Griechenland, den Fluten in Deutschland, tropischen Wirbelstürmen in Haiti und Rekordtemperaturen von 48,8 °C in Europa ist diese Ausgabe ein dringender Weckruf an Regierungen, Institutionen, Politiker, Unternehmen und jeden Einzelnen von uns. Wir müssen drastisch umdenken. Sonst sieht es schlichtweg düster aus.

schmelzende Eisschicht

Die wichtigsten Erkenntnisse (und Warnungen) des Berichts:

  1. Menschliches Handeln ist zweifelsfrei für die jüngsten, weitreichenden und beispiellosen Veränderungen des Klimas verantwortlich. Die globalen Temperaturen sind um 1,1 °C gestiegen – der höchste Wert seit über 100.000 Jahren. Die Folgen sind überall auf der Welt spürbar.

  2. Leider – wenn auch nicht unerwartet – werden wir die 1,5-Grad-Marke bis 2030 überschreiten, selbst wenn wir jetzt sofort alle Emissionen drastisch senken. Bei einer deutlichen Reduktion könnten wir den Anstieg immerhin bei etwa 1,4 °C stabilisieren.

  3. Wenn wir unsere Treibhausgasemissionen in den Griff bekommen, könnten sich die globalen Temperaturen in etwa 20 bis 30 Jahren stabilisieren.

  4. Der globale Meeresspiegel ist seit 1900 bereits um 20 cm gestiegen, vor allem durch schmelzende Eisschichten in der Antarktis. Erwärmt sich die Atmosphäre um 2 °C, wird der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um 50 cm ansteigen.

  5. Die weltweite CO2-Konzentration ist so hoch wie seit mindestens 2 Millionen Jahren nicht mehr.

  6. Die Methanwerte (CH4) sind auf dem höchsten Stand seit mindestens 800.000 Jahren. Methan ist nach CO2 das zweitwichtigste Gas, da es Wärme extrem effizient speichert.

  7. Wälder, Böden und Ozeane – unsere natürlichen Verbündeten – sind geschwächt. Diese Kohlenstoffsenken haben bisher 56 % des gesamten vom Menschen ausgestoßenen CO2 aufgenommen. Ohne sie wäre die Erde bereits deutlich heißer und weniger lebenswert. Diese Verbündeten zeigen Anzeichen einer Sättigung (kurz gesagt: Überlastung), was bedeutet, dass sie in Zukunft weniger CO2 aufnehmen können.

  8. Der Bericht deutet an, dass wir die Erwärmung möglicherweise durch „negative Emissionen“ abmildern könnten. Wir könnten den Planeten abkühlen, indem wir Kohlenstoff aus der Atmosphäre entziehen (oder speichern). Die Technologie dafür steckt jedoch noch in den Kinderschuhen.

  9. Städte werden die Hauptlast der Klimafolgen tragen, etwa durch Überschwemmungen, extreme Hitze und den steigenden Meeresspiegel.

Abholzung
ausgetrocknetes Ackerland

Alarmstufe Rot – oder was?

Kurz gesagt: Wir müssen unsere Emissionen senken – und zwar sofort. Wir brauchen entschlossenes und radikales Handeln auf allen Ebenen der Gesellschaft, um unseren Planeten zu retten. Auch wenn die Hauptverursacher des Klimawandels nur eine Handvoll Länder und Industrien sind (wo das meiste passieren muss), sind wir alle gefragt, um die Folgen unseres bisherigen Lebensstils abzumildern.

Das bringt mich zum Thema Tourismus.

Durch die weltweite Zwangspause während der Corona-Pandemie hat die Reisebranche einen herben Dämpfer erhalten – gleichzeitig haben wir gesehen, wie positiv sich dieser Stillstand auf unser Klima ausgewirkt hat. Alles in allem hat der Reise-Stopp die globalen Emissionen um nur 7 % gesenkt – das ist knapp weniger als der Anteil, den der Tourismus jährlich zu den weltweiten Treibhausgasemissionen beiträgt (8 %). Das zeigt deutlich, wie gewaltig die Klimakrise wirklich ist.

Frau auf einem Boot
Blick aus dem Flugzeugfenster

Fakt ist: Reisen wird es immer geben – es ist einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige weltweit. ABER: Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Dieser Bericht erinnert uns eindringlich daran, dass der Tourismus sein eigenes Grab schaufelt, wenn wir nicht grundlegend etwas ändern. Die Zukunft der Reisebranche hängt davon ab, ob wir den Weg in eine kohlenstoffarme Zukunft einschlagen und die Emissionen bis 2030 halbieren. Der IPCC-Bericht fordert alle politischen Entscheidungsträger, Unternehmen und Regierungen dazu auf, ihre Auswirkungen auf das Klima zu prüfen und Emissionen zu reduzieren. Das bedeutet auch, verantwortungsvolle Entscheidungen für die Tourismusbranche zu treffen. Andernfalls wird genau das, was Reisende anzieht – intakte Natur, Tierwelt, lokale Gemeinschaften, kulturelle Stätten und Schutzgebiete – durch den Klimawandel unwiederbringlich zerstört. Die Branche muss Verantwortung übernehmen, transparent handeln und effizienter werden, um unsere Zukunft zu sichern. Es ist an der Zeit, sich der Herausforderung zu stellen und den Weg in Richtung Netto-Null bis 2030 einzuschlagen.

Klimaschutz-Demonstration

Die alarmierenden Szenarien im sechsten Sachstandsbericht des IPCC sind keine bloßen Vermutungen mehr, sondern harte Fakten. Das sollte alle Akteure der Reisebranche dazu bewegen, bis 2030 konsequent und aggressiv an der Dekarbonisierung aller Bereiche zu arbeiten. Viatu sieht sich in der Pflicht, beim Klimaschutz voranzugehen und den Status quo in eine gesündere Richtung für Mensch und Natur zu lenken. Der Tourismussektor hat erheblichen Einfluss darauf, Regierungs- und Branchenrichtlinien mitzugestalten. Wir möchten, dass dieser Einfluss genutzt wird, um Regierungen dazu zu drängen, Emissionen messbar zu machen, zu reduzieren und wissenschaftlich fundierte Ziele für deren Senkung festzulegen.

Bei Viatu handeln wir lokal, denken global und sind uns unserer Rolle für eine gesunde, nachhaltige Zukunft bewusst. Wenn du mehr über unsere Nachhaltigkeitsstrategie erfahren möchtest, kannst du das hier nachlesen. Wir freuen uns außerdem immer über einen Austausch mit dir – schreib uns doch einfach auf Instagram.