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Namibias indigene Kulturen: Ein Überblick

Nina van Zyl
von Nina van Zyl
Veröffentlicht am 9. Dezember 2021
5 Minuten Lesezeit

Für eine so kleine Bevölkerung von gerade einmal etwas mehr als 2 Millionen Menschen hat Namibia erstaunlich viele verschiedene Kulturen zu bieten – immerhin gibt es hier 13 offizielle ethnische Gruppen und 16 Sprachen. Wenn du dieses faszinierende Land besuchst, möchtest du sicher mehr über die Menschen erfahren, die hier zuhause sind. Deshalb haben wir eine praktische Übersicht der bekanntesten indigenen Kulturen Namibias für dich zusammengestellt.

Die Herero

Die Herero sind ein traditionell viehzüchtendes Volk und gehörten zu den ersten Gruppen, die zwischen 1904 und 1907 mit den Kolonialmächten aneinandergerieten. Während der Herero-Aufstände zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Bevölkerung fast vollständig ausgelöscht. Viele flohen in die Nachbarländer oder wurden als Gefangene auf die Shark Island bei Lüderitz verschleppt. Heute liegt das Siedlungsgebiet der Herero rund um das Waterberg-Plateau und Okahandja. Dort kommen sie jeden August zusammen, um am Maharero-Tag ihre Kultur zu feiern. Die Frauen tragen traditionell weite, prachtvolle Kleider mit Puffärmeln – ein Stil, der ursprünglich von der viktorianischen Mode der Ehefrauen früher Missionare inspiriert wurde. Das auffälligste Detail ist dabei die Kopfbedeckung aus Stoff, die in zwei Spitzen geformt ist und die Hörner eines Rindes symbolisiert.

Herero-Puppen

Traditionelle, farbenfrohe Herero-Puppen aus Namibia

Traditionelles Herero-Kleid

Traditionelle Herero-Tracht

Die Nama

Die Nama stammen von den Khoekhoe ab und sprechen eine Sprache mit markanten Klicklauten, die mit der Khoisan-Sprachfamilie verwandt ist. Die Nama sind eher klein gewachsen. Die Frauen tragen traditionell ein Kopftuch (bekannt als „Doek“) und wunderschöne Patchwork-Kleider, die ihr beeindruckendes handwerkliches Geschick bei Handarbeiten zeigen. Ursprünglich gerieten die Nama wegen der Weidegründe oft mit den Herero aneinander, bis sie sich zu Beginn der Kolonialzeit im Befreiungskampf zusammenschlossen. Das Gesicht eines ihrer berühmtesten Anführer, Hendrik Witbooi, ziert heute den namibischen Dollarschein.

Nama-Mann auf einem Eselskarren in Namibia

Die Himba

Die Himba sind wohl das bekannteste Volk Namibias und zählen zu den wenigen halbnomadisch lebenden Stämmen weltweit. Sie sind Viehzüchter und leben unter anderem in den trockenen Regionen des Kaokolandes im Nordwesten Namibias, zusammen mit anderen verstreuten Gruppen, die man als Kaokoländer bezeichnet. Obwohl sie ihre Ursprünge mit den Herero teilen, trennten sich die beiden Völker vor vielen Generationen. Himba-Frauen sind für ihre tiefrote Haut bekannt, die sie durch das Auftragen einer Mischung aus Tierfett und Ocker erhalten. Auch das Haar spielt in der Kultur der Himba eine große Rolle: Männer wie Frauen tragen kunstvolle Flechtfrisuren und aufwendigen Kopfschmuck aus Leder und Eisen.

Himba-Frau mit Kind in Namibia

Die Damara

Traditionell waren die Damara wie die San Jäger und Sammler, hielten aber auch Ziegen und betrieben kleinen Gartenbau, etwa für Kürbisse und Tabak. Sie konzentrierten sich auf das Gebiet um den Brandberg, das als Damaraland bekannt ist und nach der Unabhängigkeit in die Region Erongo eingegliedert wurde. Viele Damara leben noch heute dort und sind im Abbau von Halbedelsteinen tätig, die du an den Ständen entlang der Straße zur Spitzkoppe kaufen kannst. Die Damara sprechen übrigens dieselbe klickreiche Sprache wie die Nama, sind aber anscheinend nicht miteinander verwandt.

Damara-Frauen in einem traditionellen Damara-Dorf

Die Owambo

Die Owambo sind die größte Bevölkerungsgruppe Namibias. Historisch gesehen siedelten sie im Norden des Landes sowie im Süden Angolas zwischen den Flüssen Kunene und Okavango. Das Volk setzt sich aus vielen Untergruppen zusammen, von denen die Kwanyama die größte bilden – jede mit ihrer eigenen Sprache und traditionellen Führung. Ursprünglich lebten die Owambo von der Viehzucht, dem Anbau von Mahangu (Perlhirse) und dem Fischfang. Bekannt sind sie vor allem für ihre leuchtend pinkfarbenen, gestreiften Kleider und die großen, kunstvollen Schmuckknöpfe namens Ecipas, die aus geschnitztem Elfenbein oder Holz gefertigt werden.

Kulturen in Namibia, Owambo-Frau im pinkfarbenen Kleid

Die San

Als Ureinwohner des südlichen Afrikas haben die San überall in Namibia ihre Spuren hinterlassen – etwa in Form von beeindruckenden Felsmalereien und Gravuren, wie man sie zum Beispiel am Brandberg findet. Im Laufe der Zeit wurden sie jedoch von einwandernden Viehzüchtern immer weiter nach Osten in die Kalahari verdrängt. Heute lebt eine große Gemeinschaft der San in Dörfern innerhalb der Tsumkwe Conservancy, wo sie ihre traditionelle Jagdweise noch immer ausüben dürfen. Die San sind mit den Nama verwandt, teilen deren zierliche Statur und helle Haut und sprechen Khoekhoegowab, eine Sprache, die für ihre charakteristischen Klicklaute bekannt ist. Sie sind wahre Meister in der Herstellung filigraner Perlenarbeiten, die neben dem Tourismus eine wichtige Einnahmequelle für ihre Gemeinschaft darstellen.

Indigene San im südlichen Afrika

Kavango und Zambezianer

Die Menschen, die im Nordosten Namibias entlang der Flüsse Kavango und Zambezi leben, werden zusammenfassend als Kavango und Zambezianer (früher Caprivianer) bezeichnet. Sie setzen sich aus vielen verschiedenen Gruppen zusammen, die jeweils ihre eigenen Dialekte und Bräuche pflegen. Dennoch gibt es einige Gemeinsamkeiten: Die meisten von ihnen bauen Mahangu an, gehen fischen und halten Rinder sowie Ziegen. Zudem sind die Menschen in dieser Region für ihre kunstvollen Holzschnitzereien und ihre geschickte Flechtkunst bei Körben bekannt.

Kulturen in Namibia, Korbflechterin am Sambesi

Basters

Die Basters sind die jüngste Bevölkerungsgruppe, die in Namibia eingewandert ist. Sie kamen ursprünglich aus der Kapregion und sind Nachfahren europäischer Siedler und einheimischer Frauen. Sie trugen europäische Kleidung und sprachen Afrikaans. Noch heute leben viele Basters in Rehoboth, südlich von Windhoek.

Baster-Frau, fotografiert von Jullia Runge

Andere Kulturen kennenzulernen, gehört zu den schönsten Seiten einer Reise. Denk aber immer daran, respektvoll zu bleiben und vorher kurz zu fragen, bevor du jemanden fotografierst. Mit seiner kulturellen Vielfalt ist Namibia ein Ziel, das du so schnell nicht vergessen wirst. Dein Abenteuer kannst du direkt hier planen.