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Netflix & Change: Die Ausgabe vom Dezember 2021

Daryll Williams
von Daryll Williams
Veröffentlicht am 1. Dezember 2021
4 Minuten Lesezeit
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Der Virunga-Nationalpark ist ein Ort wie kein zweiter. Seine Geschichte, die Artenvielfalt und die überwältigende Schönheit heben ihn von jedem anderen Fleckchen in Afrika ab. Doch diese wertvollen, beständigen Schätze sind bedroht. „Virunga“ – ein Dokumentarfilm des in London lebenden Filmemachers Orlando von Einsiedel – ist ein rasanter Streifzug durch die Entwicklungen im Park. Dieser Ort ist nicht nur ein natürliches Juwel, sondern auch das Epizentrum eines fast unglaublichen geopolitischen Albtraums des 21. Jahrhunderts.

Und die Geschichte ist so wild, dass sie dich völlig umhauen wird 🍌🦍

Dezember-Tipp: Virunga

„Alles auf unserem Planeten ist miteinander verbunden.“

Laufzeit: 104 Minuten

Der Dokumentarfilmer Orlando von Einsiedel beginnt seinen ersten Spielfilm mit einem kurzen Abriss der kolonialen Schrecken, die Afrika heimgesucht haben, und führt hin zum aktuellsten Kapitel: der angeblichen Entdeckung von Öl im Virunga-Nationalpark. Dieser Fund in der Demokratischen Republik Kongo hat eine neue Welle der Ausbeutung natürlicher Ressourcen ausgelöst – vorangetrieben von Außenstehenden, in diesem Fall dem britischen Ölkonzern SOCO, und befeuert von geldgierigen lokalen Milizen. Von Einsiedel stellt uns vier Bewohner des weltweit einzigen Schutzgebiets für Berggorillas vor. Die Liebe und Hingabe ihrer menschlichen Betreuer ist rührend und zugleich schmerzhaft, denn sie wissen genau, wie stark diese großartigen und sanftmütigen Tiere gefährdet sind. (Sie sind zudem sehr sensibel: Die Geräusche der nahen Kämpfe versetzen sie in Angst.) Er begleitet eine französische Journalistin und einen belgischen Naturschützer, die gemeinsam mit den kongolesischen Rangern gegen Wilderer kämpfen und die Machenschaften von SOCO sowie weitere Gefahren für die Tiere und den Park untersuchen.

Der Nachhaltigkeits-Faktor

Gesamturteil: 4/5

Mit seiner langen Geschichte von Kolonialisierung und der Ausbeutung natürlicher Ressourcen bleibt der Kongo ein Ort, der enormen Reichtum generiert, während ein Großteil der Bevölkerung in Armut lebt. Von Einsiedels mutiger, schonungsloser Film macht deutlich, dass der koloniale Geist in Form westlicher Unternehmensinteressen weiterlebt.

Wie kann es überhaupt legal sein, ein Weltnaturerbe auszubeuten? Natürlich ist es das nicht, aber Bestechung bewirkt an einem armen Ort leider viel. Das Ausmaß, das von Einsiedel aufdeckt, macht wütend und lässt einen fast hoffnungslos zurück. Doch er setzt dem ein Beispiel für mutige, von Menschen getragene Nachhaltigkeit entgegen.


Das Viatu-Fazit

Themen:

Den Dokumentarfilmern gelingt es hervorragend, uns in die weitverzweigten Konflikte des Kongo eintauchen zu lassen. Der Film beginnt mit der täglichen Arbeit der Ranger, die Wilderer aufspüren und stoppen, und gewinnt immer mehr an Fahrt, während sich die Widerstände gegen die Aktivisten häufen. Der Ölkonzern SOCO setzt auf Bestechung, Einschüchterung und politische Ränkespiele, um seine Ziele zu verfolgen. Dennoch lässt uns „Virunga“ auf wunderschöne Weise am Überlebenskampf teilhaben – mit herzzerreißenden Geschichten von Heldentum, Mut, Tragik und Hoffnung.

Produktion:

Der Film bleibt seinem Stil als Mischung aus investigativem Journalismus und Naturdokumentation treu. Von Einsiedel, der monatelang in einem Zelt im Park lebte, um die Doku zu drehen, fängt eindrucksvolle, actiongeladene Aufnahmen ein, die den Alltag in Virunga widerspiegeln. Sein Ziel war es, die Korruption von SOCO durch den Film vor der Welt offenzulegen – und genau das ist ihm gelungen.

Was ihn besonders macht:

Der Film beleuchtet diesen unglaublich komplexen und schönen Teil Afrikas. Er zeigt die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Kräfte, die hier am Werk sind, und stellt eine Handvoll inspirierender Menschen vor, die trotz der schwierigen Geschichte des Parks versuchen, etwas zu bewirken. Ehrlich gesagt hätte man aus dieser dramatischen Geschichte ein packendes Drehbuch schreiben können, aber die Wahrheit bekommt in diesem mitreißenden Dokumentarformat die Bühne, die sie verdient. Ein Betreuer der Gorillawaisen fasst die Hingabe derer, die diesen Park schützen, wunderbar zusammen: „Wir müssen rechtfertigen, warum wir auf dieser Erde sind. Für mich rechtfertigen die Gorillas, warum ich hier bin. Das ist mein Leben.“

Die Dezember-Ausgabe von Netflix & Change ist ein Plädoyer für den stetigen Aufstieg in Richtung einer sichereren und nachhaltigeren Welt für alle ihre Bewohner.

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