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Channels for Change – Ausgabe Oktober 2022

Nina van Zyl
von Nina van Zyl
Veröffentlicht am 1. Oktober 2022
5 Minuten Lesezeit
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Es ist wohl eines unserer menschlichsten Bedürfnisse, einen positiven Beitrag zur Welt um uns herum leisten zu wollen. Da du auf dieser Website bist und diesen Blog-Post liest, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du genau das auch beim Reisen erreichen möchtest. The Last Tourist ist eine Dokumentation, die genau zeigt, wie das gelingen kann. Der Film veranschaulicht, wie wir das Reisen nutzen können, um Gutes zu bewirken, statt den Menschen, der Umwelt und den Tieren, die wir so lieben, zu schaden.

Für unsere Channels for Change schauen wir uns diesen Monat The Last Tourist an – eine Doku, die nicht davor zurückschreckt, die oft verheerenden Auswirkungen des Tourismus in den Fokus zu rücken und gleichzeitig konkrete Lösungen anzubieten.

Oktober-Tipp: The Last Tourist

„Das Wichtigste, um ein verantwortungsbewusster Reisender zu sein, ist es, ein informierter Reisender zu sein.“

Kurz zusammengefasst

The Last Tourist beschreibt sich selbst als eine Erkundung unserer Fähigkeit, „die Kraft des Tourismus zu nutzen“ – nicht nur für das Leben der Reisenden selbst, sondern auch für die Gemeinschaften und Umgebungen, die wir besuchen. Die Doku zeigt, dass es möglich ist, die Natur zu schonen, während wir die Orte besuchen, die wir sehen wollen. Im Kern legt The Last Tourist schonungslos offen, wo wir falsch abbiegen – selbst wenn wir es eigentlich nur gut meinen.

Es ist hart zu erkennen, wie leicht man fragwürdige Tourismus-Angebote unterstützt. Zum Beispiel durch den Besuch einer Einrichtung, in der Tiere unter dem Deckmantel von „Rettung und Rehabilitation“ zur Unterhaltung der Gäste gehalten werden. Oder wie der Wunsch, benachteiligten Kindern zu helfen, eine Industrie befeuert, die Familien im Namen des Voluntourismus trennt. Wie ein Reisender in der Doku treffend sagt: „[Die Kinder] waren nur dort, weil ich dort sein wollte.“

Auch wenn der Film an manchen Stellen schwer zu verdauen ist, erinnert er uns daran, dass wir als Reisende viel Macht haben. Wir tragen die Verantwortung, uns bewusst zu machen, dass unsere Anwesenheit eine Wirkung hat und unsere Handlungen weitreichende Konsequenzen für das Leben anderer und die besuchten Orte nach sich ziehen.

Verfügbarkeit: Besuche die Website von The Last Tourist, um herauszufinden, wo du die Doku streamen kannst.

Der Nachhaltigkeitsfaktor

Gesamt: 4/5

Tourismus ist eine Billionen-Dollar-Industrie, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts explodiert ist – die Schattenseiten sind längst bekannt. Auch wenn The Last Tourist nicht im Detail auf die CO2-Bilanz, Müllprobleme oder die Zerstörung natürlicher Lebensräume durch verantwortungslose Reisende eingeht, blickt der Film tiefer als nur an die Oberfläche und zeigt: Gute Absichten allein reichen nicht aus.

Der Film macht uns klar, wie das Bild eines berühmten Ortes durch Millionen von Selfies reproduziert wird und so den Druck auf andere Reisende erhöht, genau dorthin zu müssen. Wir können hingegen einen positiven Einfluss ausüben, indem wir lokale Projekte abseits der Hotspots unterstützen – gerade in einer Welt nach Covid, in der die Tourismusbranche vieler Länder am Boden lag.

Die Viatu-Rezension

Themen

Tierliebhaber haben oft den Drang, mit Tieren in Kontakt zu kommen, besonders mit Wildtieren. Doch wir müssen uns fragen: Dienen beliebte Tierbegegnungen wirklich dem Wohl des Tieres? Die Realität sieht so aus, dass Tiere für solche hautnahen Erlebnisse oft ein hartes Training durchlaufen müssen, um zahm genug zu sein. Dabei kommen teils grausame Bestrafungsmethoden zum Einsatz, und die Tiere leben unter miserablen Bedingungen – ganz zu schweigen davon, dass sie kaum jemals wieder ausgewildert werden können. Eine goldene Regel: Würde das Tier dieses Verhalten auch in freier Wildbahn zeigen? Wenn nein, dann unterstütze es lieber nicht.

Ein weiteres Thema ist der Voluntourismus, der sich zu einer riesigen Industrie rund um Waisenhäuser entwickelt hat. Man sieht ein ständiges Kommen und Gehen von Freiwilligen, die kleine Kinder und Babys für das perfekte Selfie umarmen, nur um zu zeigen, wie sehr ihnen das Schicksal am Herzen liegt – bevor sie zur nächsten Attraktion weiterziehen. Ehemalige Bewohner dieser Waisenhäuser berichten von dem psychischen Leid, das sie dabei erfahren haben. Der Film unterstreicht dies mit Bildern, die die komfortablen Unterkünfte der Volontäre den ärmlichen Schlafplätzen der Kinder gegenüberstellen.

Produktion

The Last Tourist kombiniert wunderschöne Naturaufnahmen mit unangenehmen Bildern von Touristenmassen, die über Reiseziele herfallen. Der schwierigste Moment kommt nach etwa 45 Minuten, wenn wir Aufnahmen von misshandelten Tieren in Gefangenschaft sehen. Doch die Doku endet hoffnungsvoll und zeigt, wie Tourismus gemeinschaftsstärkende Initiativen unterstützen kann, die ohne die finanzielle Hilfe von Besuchern gar nicht existieren würden. Tourismus kann, so wird uns klar, eine Kraft für das Gute sein.

Was den Film besonders macht

The Last Tourist nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Botschaft ist klar und rüttelt uns wach: Wir müssen uns bewusst machen, welche Wirkung jede unserer Handlungen hat, sobald wir im Ausland unterwegs sind. Es ist so wichtig, sich zu informieren und gezielt ethische und nachhaltige Aktivitäten zu wählen. Die Botschaft ist nicht neu, aber sie trifft heute mehr denn je ins Schwarze: Alles, was du tust, hat einen Einfluss auf die Welt um dich herum – ob gut oder schlecht.

Obwohl der Film so aufwühlende Themen behandelt, ist es überraschend, dass er seine Zuschauer mit einem Gefühl von Optimismus entlässt. Genau das bleibt am Ende hängen: Die Kraft des Wissens, dass Reisen das Potenzial hat, Leben zum Besseren zu verändern.

Wir bei Viatu setzen uns dafür ein, die Welt des Reisens zu verändern, indem wir Unternehmen und Initiativen unterstützen, denen unser Planet und seine Menschen am Herzen liegen. Du kannst uns auf Instagram folgen für Inspirationen und News rund um verantwortungsbewusstes Reisen oder uns kontaktieren, wenn du wissen willst, wie du deine nächste Reise zu einem positiven Erlebnis machst.